Aichner, Bernhard - Totenfrau. Die Rückkehr
Die Bestatterin Brünhilde Blum wird nach Jahren zurückgeholt.
Bernhard Aichner, österreichischer Erfolgsautor von internationalem Format, gelang bereits 2014 mit dem ersten Band der „Totenfrau“-Trilogie rund um die Bestatterin Brünhilde Blum der fulminante Durchbruch. Von da an lieferte er beständig einen Thriller-Bestseller nach dem anderen ab – praktisch alle sind aus meiner Sicht Fixstarter für die Krimiregale von Büchereien und Bibliotheken!
Mit „Totenrausch“ (2017) fand die Trilogie schließlich einen würdigen Abschluss, in dem auch die mordende Rächerin Blum scheinbar endlich ihren Frieden gefunden hatte. Warum lässt Aichner sie nun also als Romanfigur wiederauferstehen? Diese Frage beantwortet er in einem Verlagstext folgendermaßen: „Die Entscheidung, Blum noch einmal zurückzuholen, hatte viel mit der Netflix-Verfilmung der Totenfrau zu tun. Durch den Dreh und die intensive Auseinandersetzung mit dem Stoff war ich dieser Figur über Jahre hinweg wieder sehr nah. Vor allem die Arbeit mit Anna Maria Mühe, die Blum mit einer unglaublichen Kraft und Verletzlichkeit verkörpert hat, hat in mir den Wunsch geweckt, ihre Geschichte weiterzuerzählen. […] Mich hat interessiert, was nach einem vermeintlichen Happy End passiert. Ob es so etwas wie Frieden für eine Figur wie Blum überhaupt geben kann. Und genau aus dieser Frage heraus entstand ‚Die Rückkehr‘.“
Zum Inhalt: Zehn Jahre nach ihren letzten Morden führt Brünhilde Blum mit ihrem Partner Reza ein zurückgezogenes Leben in Kroatien, wo sie mit ihrer Yacht Charterausflüge anbietet. Doch als bei einem dieser Ausflüge ein Mann zu Tode kommt, hilft Blum dessen Geliebter Ruth, die Leiche im Meer verschwinden zu lassen und an das Geld des Toten zu gelangen. Nahezu zeitgleich verschwindet die beste Freundin ihrer Tochter Nela nach einer Party auf einem Luxusschiff und wird wenig später tot aus dem Meer geborgen. Und als sie schließlich auch noch den Verlust ihres Partners Reza betrauern muss, erwacht ihr Racheinstinkt erneut. Die Todesfälle ziehen sie erneut in einen lebensgefährlichen Strudel aus Lügen, Erpressung und Gewalt. In dieser menschlichen Ausnahmesituation fasst Blum allmählich Vertrauen zu Ruth, in der sie eine Seelenverwandte zu erkennen glaubt. Doch die Beziehung eskaliert und konfrontiert Blum mit verdrängten Erinnerungen an ihre traumatische Kindheit. Gleichzeitig spitzt sich der Konflikt mit ihrer Tochter Nela zu, die intensiv zu Blums mörderischer Vergangenheit recherchiert hat und sich zunehmend von ihrer Mutter distanziert. Plötzlich fühlt sich Blum wieder völlig allein und steht vor einer folgenschweren Entscheidung: Kann sie ihr Versprechen halten, nie wieder zu töten? Oder wird sie erneut zur Mörderin, um sich und ihre Familie zu schützen?
„Totenfrau – Die Rückkehr“ ist für mich ein weiteres Beispiel für Aichners brillante Erzählkunst und dennoch nicht sein allerbester Thriller. Das mag daran liegen, dass ich Aichners kurze, stakkatoartige Sätze, mit denen er die Worte regelrecht herausschießt, in seinen bisherigen Werken besonders geliebt habe und hier ein wenig vermisse. Diese sind aber für mich der unverwechselbare Aichner-Stil, der seine Thriller so prägnant macht: knappe Formulierungen, rasante Szenenwechsel und Dialoge, die die Leser:innen unmittelbar ins Geschehen ziehen. Diesmal entfaltet dieser Stil allerdings nicht ganz jene Intensität, die ich von Aichner gewohnt bin.
Gerald Wödl
Aichner, Bernhard - Totenfrau. Die Rückkehr
Thriller. Hamburg: Wunderlich 2026. 352 S. - fest geb. : € 26,80 (DR) ISBN 978-3-8052-0120-9