Alberta Krabacher-Kuprian, AK Bibliothek Tirol
Drei Doppelfragen an die Bibliothekarin.
1. Wie sind Sie zum Lesen von Büchern gekommen und welche Bedeutung haben Bücher in Ihrem Leben?
Lesen ist, schon seit ich lesen kann, meine absolute Lieblingsbeschäftigung. Als Volksschulkind habe ich bereits alles verschlungen, was das Buchregal meiner Familie, die Schulbücherei und die Dorfbücherei so hergaben. Quer durch den Gemüsegarten und auch nicht immer altersgerecht, denn mein Lesehunger war fast grenzenlos. Ohne Bücher kann ich mir ein Leben gar nicht vorstellen. Es gibt keinen Tag, an dem ich nicht lese. Als Pendlerin genieße ich es, gleich in der Früh mit einem Buch zu starten. Am Wochenende beginne ich den Tag mit einer Stunde Lesen im Bett. Lesen erweitert sehr den Horizont und entführt in fremde Leben, Länder und Zeiten. Eine entspannendere und spannendere Beschäftigung gibt es für mich nicht.
2. Wie sind Sie Bibliothekarin geworden und was schätzen Sie an dieser Arbeit?
Nach einem Germanistik- und Politikstudium bin ich nach einem Abstecher im Journalismus im Buchhandel gelandet. Über einen Kollegen aus der Buchhandlung kam ich zur Bibliothek, als er die Leitung einer wissenschaftlichen Bibliothek übernahm. Nach zehn Jahren als wissenschaftliche Bibliothekarin übernahm ich dann selbst die Leitung der öffentlichen AK Bibliothek in Innsbruck, die ich nun seit elf Jahren ausübe. Parallel dazu arbeite ich bereits seit über zwanzig Jahren in der Dorfbücherei meiner Wohnortgemeinde Mötz ehrenamtlich mit. Ich schätze vor allem an der Arbeit, dass man täglich am Ball bleibt und automatisch mit den neuesten Büchern und Ideen in Kontakt kommt. Die Anregungen gehen dadurch nie aus. Zudem ist der Beruf sehr erfreulich, weil man Menschen generell eine Freude machen kann: mit der Versorgung mit gutem Lesestoff, mit einem niederschwelligen Angebot zu Bildung und Weiterbildung, mit Veranstaltungen, die anregen und die Freude am Lesen vermitteln.
3. Welche Bücher sind für Sie persönlich besonders wichtig und welche Bücher würden Sie unbedingt zur Lektüre empfehlen?
Ich schätze Bücher sehr, die den eigenen Horizont erweitern und in fremde Kulturen und Leben führen. Ein Buch, das ich unbedingt empfehle, ist „Americanah“ von Chimamanda Ngozi Adichie. Die kulturellen Unterschiede zwischen Afrika und Amerika und die Beschreibung der politischen Verhältnisse in Nigeria sind sehr eindrücklich und faszinierend. Generell sind auch die Bücher von T. C. Boyle sehr empfehlenswert, wenn man in die amerikanische Lebens- und Denkweise Einblick gewinnen möchte, vor allem sein Klassiker „América“ und „No Way Home“. Es sind fast soziologisch-politische Studien, die er durchführt, alles verpackt in spannende Romanhandlungen. Zudem bin bin ich ein Fan von John Irving. Seine ausladenden, warmherzigen oft auch skurrilen und immer auch politischen Familiengeschichten faszinieren mich sehr, hier voran „Die wilde Geschichte vom Wassertrinker“. Und nicht zu vergessen: Die wunderbare Lea Ypi, die mit ihren Familienchroniken „Frei“ und „Aufrecht“ die jüngere Geschichte Albaniens und die Geschichte ihrer Familie näherbringt und damit das geheimnisvolle Land, das lange ein Schattendasein in Europa führte, enträtselt.
Foto: (c) Andreas Friedle