Arnbom, Marie-Theres - Die Villen von Dornbach

Arnbom, Marie-Theres - Die Villen von Dornbach

Veröffentlicht am 02.01.2026

Wenn Häuser Geschichten erzählen.

Marie Theres Arnbom nimmt uns wieder wie in ihrem Buch „Die Villen der Wiener Cottage“ auf ihre Spaziergänge mit. Diesmal führt sie uns durch Dornbach, das ehemalige begehrte Ziel der Wiener, um dorthin auf „Sommerfrische“ zu gehen. Die Gegend war damals noch weit weg von der Wienerstadt, die mit ihrem mittelalterlichen Kern noch laut und eng war und sicher auch nicht gut roch. Draußen vor der Stadt gab es Natur pur, Ruhe und gute Luft.

Durch das große Bauvorhaben Kaiser Franz Josephs, den Bau der Ringstraße, rückte nun der Wienerwald und so auch Dornbach näher. Die betuchten Wiener Bürger fanden zunehmend Gefallen daran, auch dort zu wohnen oder wenigstens die Sommermonate im Grünen zu verbringen. Viele Familien, die zur damaligen guten Gesellschaft gehörten, kauften große Gründe und bauten prächtige Villen mit schönen Gärten. Einige Namen sind noch heute ein Begriff, zum Beispiel Meinl, Kuffner, Demel, Bunzl. Man lebte leicht, angenehm und sorglos in dieser heilen Welt, pflegte gesellschaftliche und nachbarschaftliche Beziehungen (die oft zu Heiraten führten) und genoss den Aufschwung. Aber-viele der großartigen Häuser gibt es heute nicht mehr. Was ist geschehen?

Es ist die Passion der Autorin (sie ist auch Historikerin und Kulturmanagerin), über diese verschwundenen Villen akribisch zu recherchieren. Dabei fand sie viele interessante Fotos, Baupläne und Zeitungsartikel. Dazu nahm sie auch Kontakt mit den Nachkommen der ehemaligen Besitzer auf und erfuhr so viele sehr persönliche Anekdoten und private Informationen. So werden die Geschichten über die Villen und deren Bewohner sehr farbig und lebendig. Arnbom gelingt es, die „Hoch-Zeit“ des Viertels, obwohl teilweise längst vergessen und verschwunden, wunderbar nachvollziehbar zu machen.

Das unheilvolle Jahr 1938 veränderte etwa schlagartig und brutal alles. Das Bürgertum wird von einem Tag zum anderen zerstört, vernichtet – die Bewohner und Eigentümer der Villen müssen fliehen oder kommen in der grausamen Maschinerie des Naziregimes um. Die neuen „Herren“ beschlagnahmen gierig die Häuser und ihr Inventar. Im Zweiten Weltkrieg geht auch viel Bausubstanz verloren und die Menschen, die in der Nachkriegszeit einziehen, zerstören den Rest. Die vertriebenen Besitzer oder ihre Nachfahren müssen oft verkaufen. Und die Gemeinde Wien kauft etliche Liegenschaften, um Gemeindewohnungen zu bauen – wertvolle Baugeschichte wird dadurch ebenfalls vernichtet.

Aber Marie-Theres Arnbom schafft es, den liebenswerten Charakter von Dornbach hervorzuheben und Lust zu machen, um dort auf den Spuren der einstigen Sommerfrische zu wandern. Besonders hervorzuheben ist ein guter Plan der Gegend und vier markierte Spaziergänge. Man kann daher (mit dem Buch in der Hand) einfach losgehen, um Dornbach mit seinen Villen und Gärten genießen. Ein wundervoller Ausflug ist garantiert!
Renate Schediwy-Oppolzer

Arnbom, Marie-Theres - Die Villen von Dornbach
Wenn Häuser Geschichten erzählen. Wien: Amalthea 225. 272 S. : zahlr. Ill. - fest geb. : € 29,95 (GK) ISBN 978-3-99050-296-9

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