Baldacci, David - Der Feind in meiner Nähe
Thriller um Ex-Army Ranger, die sich seinerzeit im Irak gegenseitig das Leben gerettet haben.
Zunächst ein kleines Lob an den Übersetzer Dietmar Schmidt: gut gemacht! Ich jammere ja immer wieder über die schlampigen und schlechten Übersetzungen. Selbst wenn man das Original nicht kennt, so verursacht eine schlechte Übersetzung eine Unstimmigkeit, die jeder und jede verspürt. Hier jedoch, aus einem Guss und ohne die üblichen norddeutschen Regionalausdrücke.
Das gesagt, ist David Baldacci natürlich ein Könner bezüglich actiongeladener Geschichten, mit einem Helden (in diesem Fall sogar mit mehreren Heldinnen) und einem Erzählstrang, der es einem schwer macht, das Buch aus der Hand zu legen. Ich habe es genossen, so wie sich die Ereignisse überschlagen und wie der Held und die Heldinnen schlussendlich über das Böse obsiegen. Wunderbar. In der heutigen, unsicheren Zeit braucht es genau das.
Unser Hauptheld ist ein Ex-Army Ranger namens Travis Devine, der für den amerikanischen Heimatschutz arbeitet und eigentlich nur seinem direkten Vorgesetzten verantwortlich ist. Aus seiner Zeit in der Army kennt er Danny Glass. Sie haben sich seinerzeit im Irak gegenseitig das Leben gerettet, aber dann aus den Augen verloren. Der eine, Devine, hat den Weg diesseits des Gesetzes gewählt, der andere, Glass, ist jenseits des Gesetzes gelandet. Nun soll Danny Glass vor Gericht gestellt werden, im Hintergrund hat er aber längst eine Vereinbarung mit dem FBI getroffen.
Wie kommt Devine ins Spiel? Nun, es gibt da ein 12-jähriges Mädchen, Betsy Odom, die kürzlich ihre Eltern verloren hat. Für sie beantragt Glass die Vormundschaft, was die Bundesbehörden zu verhindern suchen. Devine soll Betsy bis zum Gerichtstermin beschützen. Alles scheinbar einfach, wäre da nicht so viel mehr hinter der ganzen Geschichte. Zum einen ist Betsy erst zwölf Jahre alt, aber in ihren Ansichten wesentlich reifer. Sie ist kratzbürstig, verschlossen, verletzt und eigensinnig. Wie sich zunächst herausstellt, war ihre Mutter die Schwester von Danny Glass. Ihr Vater war offenbar ein Taugenichts, aber immer für sie da. Die Familie musste oft umziehen, da sie immer wieder in Geldschwierigkeiten waren. Ihr Papa konnte einfach keinen Job dauerhaft ausüben, somit führten sie ein armseliges, aber zufriedenes Leben.
Kurz vor ihrem Tod konnten sie sich allerdings ein neues Auto und ein Haus leisten. Woher das Geld kam, bleibt ein Rätsel. Betsy weiß nur, dass sie Besuch von Männern bekommen hatten und sich die Eltern danach stritten. Ein paar Tage später machten sie sich auf den Weg nach Ricketts, einer Kleinstadt mitten im Bundesstaat Washington, um wiederum diese Männer zu treffen. Vorher essen sie noch gemeinsam im örtlichen Restaurant, treffen dann die Männer, wobei eine große Tasche übergeben wird, setzen sich dann ins Auto und fahren wenige Kilometer, ehe beiden Eltern schlecht wird und sie innerhalb von ein paar Minuten sterben. Die Polizei von Ricketts stuft den Tod als eine Drogengeschichte ein und behauptet, es gäbe in der Familie eine lange Geschichte von Drogenabhängigkeit.
Das alles ist nur ein kleiner Teil der ganzen Story. Da verwundert einen Ricketts selber, mit einem modernen, riesigen Rathaus und einer Militärflotte, die irgendwie zu viel für den kleinen Ort ist. Dann gibt es dort einen Polizeichef mit einer wesentlich jüngeren Gattin, die als Bürgermeisterin aber ihre eigene Agenda hat. Dann wird Devine in Seattle von einem wildfremden Mann angesprochen, der ihm ein Geheimnis über Danny Glass verkaufen will, aber kurz darauf ermordet wird. Und dann gibt es noch die Dame aus dem Zug in der Schweiz, die Devine töten wollte und dann verschwand, jedoch in Seattle wieder auftaucht.
Alles in allem: spannend, actiongeladen, schlüssig erzählt und ein befriedigender Schluss mit einem Taschentuch-Moment (Tränen!). Wunderbar, so sollen Agententhriller sein!
Mario Reinthaler
Baldacci, David - Der Feind in meiner Nähe
Thriller. Köln: Lübbe 2025. 512 S. - fest geb. : € 25,95 (DR) ISBN 978-3-7577-0158-1 Aus dem Amerik. von Dietmar Schmidt