Birgit Birnbacher

Birgit Birnbacher

Drei Doppelfragen an die Autorin.

Wie sind Sie zum Lesen von Büchern gekommen und welche Bedeutung haben Bücher in ihrem Leben?

Zuhause haben wir viele Bücher gehabt. Ich erinnere mich an die Buchrücken eher visuell. Meine Schwester und ich haben als Kinder einen starken Drang zum Schreiben gehabt. Als Kind habe ich Covers aus dem Quelle Katalog ausgeschnitten und Briefe an fiktive Verlage mit der Schreibmaschine verfasst, wie die ausschauen sollen. Das amüsiert mich heute sehr, weil ich mich natürlich frage wie ich darauf überhaupt gekommen bin.

Heute ist es so, dass ich gerade dabei bin, meine erste eigenständige Bibliothek zuhause aufzubauen. Ich bin im Leben so oft umgezogen und habe immer die Bücher mit anderen geteilt, jetzt will ich nur meine eigenen. Da merkt man, dass man viele Werke einfach besitzen muss. Auch wenn ich Hesse wohl eher nicht mehr lese, würde ich nicht in einem Haushalt wohnen, in dem seine Bücher nicht vorhanden sind. Dasselbe gilt für Peter Handke und Elfriede Jelinek.

Wie sind Sie Autorin geworden und haben Sie ein besonderes Vorbild?

Das war ein besonders glücklicher Zufall. Bei einem Schreibworkshop hat mich Günther Eisenhuber, Lektor des Jung und Jung Verlags, angesprochen, dass ich doch auch öfter und mehr schreiben könnte. Er und Jochen Jung haben sich mir damals angenommen, da war ich Ende zwanzig und hatte schon drei Berufe, also für einen Start auch nicht mehr ganz jung. Von selber hätte ich nicht das Selbstbewusstsein gehabt, meine Sachen an Verlage zu schicken.

Ein besonderes Vorbild und jemand, der oft zu unrecht in Vergessenheit gerät, wenn es um österreichische Literatur geht, ist Gernot Wolfgruber. Immer, wenn ich ein Wolfgruber Buch lese, was ich jedem einmal im Jahr empfehle, habe ich das Gefühl, das ist ein 1000 Kilo Schwergewicht. So etwas musst du erst einmal hinschreiben. Das kann heute kaum jemand mehr, das beeindruckt mich schon zutiefst. Er selber hat ja um sein Schreiben nie ein großes Aufhebens gemacht und Gequatsche immer gemieden. Er hätte andere gebraucht, die für ihn sprechen und weitertragen, wie gut er ist. Ich hoffe, dass das noch geschieht.

Ansonsten schätze ich viele mir nahe Kolleg:innen für das, was sie machen, ein besonderes Vorbild aus einer anderen Liga ist Siri Hustvedt für mich, oder Sibylle Berg. Ich mag aber auch, wenn Autorinnen einfach komplett ihr Ding durchziehen, wie Teresa Präauer.

Welche Bücher sind für Sie persönlich besonders wichtig und welche Bücher würden Sie unbedingt zur Lektüre empfehlen?

Alles von Herta Müller ist mir heilig. Diese Bücher sind das Wichtigste Dingliche, was ich habe. Zur Lektüre empfehle ich allen Nichtleser:innen oder Verlorengegangenen Karen Köhler, weil sie die Kraft hat, Menschen jeden Alters einzufangen. Auch Thomas Melle erlebe ich als sehr stark und auch für chronisch Unaufmerksame zu empfehlen. Ich glaube, dass es nichts bringt, den Leuten zu erklären, was die angeblich gute Literatur ausmacht. Die Leute wissen das schon selbst. Und spätestens bei der Lektüre des richtigen Buchs fühlen sie es auch.

Foto: (c) Erika Mayer