Braithwaite, Oyinkan - Der Fluch der Falodun-Frauen

Braithwaite, Oyinkan - Der Fluch der Falodun-Frauen

Veröffentlicht am 15.01.2026

Ein Fluch über mehrere Frauen durch die Generationen.

Mit ihrem Debütroman „Meine Schwester, die Serienmörderin“ gelang der britisch-nigerianischen Autorin Oyinkan Braithwaite 2018 ein Weltbestseller, auf den nun „Der Fluch der Falodun-Frauen“ folgt.

Vor vielen Generationen wird Feranmi, weil sie sich den Ehemann einer anderen geschnappt hat, von dessen Frau mit einem Fluch belegt, der für sie und alle Töchter ihrer späteren Nachkommenschaft gelten soll: Keiner der Frauen soll es gelingen, einen Mann für sich zu behalten, sie werden sich zwar verlieben, aber die Männer werden sie verlassen.

Und der Fluch scheint durch die Generationen hindurch seine Wirkung nicht zu verlieren. Die Autorin stellt in einem Zeitraum von 1994 bis 2025 drei junge Falodun-Frauen in den Mittelpunkt ihres Interesses: Monife, ihre vier Jahre jüngere Cousine Ebun und später deren Tochter Eniiyi. Monife, umschwärmt und lebenslustig, manchmal aber auch tieftraurig, hat die große Liebe gefunden. Kalu, den sie Golden Boy nennt, liebt sie ebenfalls, die beiden scheinen wie füreinander geschaffen. Doch Kalus Mutter will ihren Sohn standesgemäß verheiraten und hintertreibt die Beziehung so lange, bis sie in die Brüche geht. Auch vier Jahre später, Kalu ist längst verheiratet, trifft sich aber wieder heimlich mit Monife, kann sie den Schmerz nicht verwinden und begeht Selbstmord. Am Tag ihres Begräbnisses bringt Ebun ihre Tochter Eniiyi zur Welt, ohne den Namen des Vaters zu verraten.

Vom Augenblick ihrer Geburt an wird bei der kleinen Eniiyi eine verblüffende Ähnlichkeit mit ihrer verstorbenen Tante festgestellt. Ihre Großmutter und ihre Großtante, in deren Haus sie aufwächst, sehen in ihr gar eine Reinkarnation von Monife. Nach ihrer Ausbildung als Genetikerin lernt Eniiyi einen jungen Mann kennen, dem sie sich von Beginn an tief verbunden fühlt. Sie hat den Geschichten über den Fluch nie Glauben geschenkt, und auch ihre Mutter Ebun hat als aufgeklärte Frau den Großmüttern stets verboten, Eniiyi damit zu belasten. Allerdings hat sie selbst Geheimnisse vor ihrer Tochter, die deren Glück zerstören können.

Der kunstvoll aufgebaute Roman, in dem jegliche Chronologie aufgebrochen wird, erzählt nicht nur eine spannende Familiengeschichte, sondern wirft auch ein Licht auf das Leben in der Megacity Lagos, auf den Einfluss von Klassen- und Stammeszugehörigkeit und auf das Aufeinanderprallen von Tradition und Moderne, Aberglaube und rationaler Weltsicht. Auch diesem Buch von Oyinkan Braithwaite wünscht man viel Erfolg bei Leserinnen und Lesern, weil es etwas bietet, was in der modernen Literatur nicht immer selbstverständlich ist: einen packenden Plot mit vielen Verstrickungen, eine Reihe von schillernden Figuren und einen interessanten gesellschaftlichen Hintergrund. Sehr empfehlenswert.
Ida Dehmer

Braithwaite, Oyinkan - Der Fluch der Falodun-Frauen
Roman. Berlin: Aufbau 2025. 432 S. - fest geb. : € 25,95 (DR) ISBN 978-3-351-05133-4 Aus dem Engl. von Yasemin Dinçer

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