Carofiglio, Gianrico - Der Horizont der Nacht

Carofiglio, Gianrico - Der Horizont der Nacht

Justizkrimi und Psychotherapie eines Anwalts.

In diesem Roman gibt es zwei unterschiedliche Ebenen, die auf der einen Seite einen Justizkrimi darstellen, in dem der Hauptprotagonist Avvocato Guerrieri die mutmaßliche Mörderin Elvira Castell verteidigt, die den Lebensgefährten ihrer Zwillingsschwester erschossen hat, nachdem die Schwester Selbstmord begangen hatte.

 Auf der zweiten Ebene geht es um die Therapie des Anwalts Guerrieri bei dem Psychoanalytiker Carnelutti. Avvocato Guerrieri möchte Klarheit über Erlebnisse und Beziehungen aus der Vergangenheit erlangen und gleichzeitig zweifelt er immer mehr an seinem Beruf und an all seinem Tun: „Oder doch, ich weiß es ganz genau. Ich habe keine Lust mehr. Einmal habe ich so etwas gelesen wie: Unser bewusstes Ich gleicht einem Anwalt, der, um das Handeln seines Mandanten zu rechtfertigen, Ausreden für Entscheidungen findet, die bereits getroffen wurden, und für ein Tun, das bereits erfolgt ist.“

Der Anwalt hinterfragt sich selbst, er verliert sukzessive den Glauben an Gerechtigkeit, aber dennoch verteidigt er Elvira Castell professionell und strategisch routiniert. Immer öfter begibt er sich auf Streifzüge durch die nächtlichen Gassen von Bari auf der Suche nach sich selbst. In seiner Therapie und der Suche nach dem Glück sind nicht nur Verweise auf C. G. Jung beziehungsweise Zitate von Charles Baudelaire, William Shakespeare oder James Joyce wesentlich, um ein klareres Bild zu erhalten.

„Der Horizont der Nacht“ ist ein Krimi und gleichzeitig ein psychologischer Roman, der sowohl zeitgenössisch als auch zeitlos ist.
Rudolf Kraus

Carofiglio, Gianrico - Der Horizont der Nacht
Roman. Wien: Folio 2026. 267 S. - fest geb. : € 25,00 (DR) ISBN 978-3-85256926-0 Aus dem Ital, von Verena von Koskull

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