Elsberg, Marc - Eden. Wenn das Sterben beginnt
Thriller zum Thema Umweltkatastrophen.
Literaten, die sich kritisch in ihren Büchern mit den Themen Umwelt, Umweltzerstörung oder gar Umweltkatastrophen auseinandersetzen, heimsen ja grundsätzlich in aller Öffentlichkeit und vor allem bei Verlagen und auf den Buchmärkten ein gehöriges Quantum an Vorschusslorbeeren ein. Wer wird sich da schon kritisch heranwagen? Umwelt ist ja ein Thema, das uns alle angeht, obwohl es nicht immer klar durchschaubar ist, wie man damit umgeht! Ob es sich nun um scheinheilig erstandene Umweltzertifikate handelt, um seitenfüllende, reißerische Umweltkatastrophenaufmacher so mancher flotter Printmedien zu berichtsflauen „Sauregurkenzeiten“ oder politische Bewegungen, die in Vorwahlzeiten diese heikle Thematik als Muntermacher für ihr Klientel aufbauschen – es mangelt offenbar an Seriosität, an Information und natürlich auch oftmals am nötigen Wissen oder seitens der Wissenschaft an falsch verstandener Zurückhaltung, um nicht Panikmache zu betreiben. So habe ich das umfangreiche Buch auch meinerseits mit Vorschusslorbeeren bedacht.
„Wenn das Sterben beginnt“, diesem Untertitel ist wohl Achtung, Erwartung und Zuwendung geboten! Was mich ein wenig irritierte, ist, dass es sich bei diesem Buch um einen Thriller handelt, der zwischen den Buchdeckeln seiner Leserschaft emotionale Spannung verspricht, sie atemlose Handlungsverläufe fürchten lässt und sie mit lebensbedrohenden, ausweglosen Situationen bis zur anstehenden Bewusstlosigkeit zu fesseln gedenkt. Nun ist es meiner Lesekondition dankend geduldig gelungen, bis zur Seite 614 vorzudringen.
Ich konnte nicht uninteressante Informationen einheimsen. Zum Teil wissenschaftlicher Natur, zum Teil in Form abenteuerlich anklingender Zwischentöne, auch so manches bedenklich anmutende Umweltproblem wurde erkennbar, ja und so halt. Gefallen hat mir die zeitliche Unterteilung in Tageseinheiten. Das deutet Anstieg der Handlung bis zur eingetretenen Katastrophe. Also Seite 617 – „Noch 3 Tage“. Das lässt auf den Anstieg an Dramatik hoffen! Es kommt allerdings nur zu einem ziemlich heftigen Sturm in Deutschland: „‚Das ist mein Neffe in Berlin‘, erklärt sie. ‚Vom Fernsehturm aus‘. Er sah die schwankenden Bilder und schüttelte den Kopf. ‚Was ist dort los?‘, fragte er. ‚Ein Staubsturm‘, erklärte Sonja. ‚Wie in schlimmsten Dust-Bowl-Zeiten‘. ‚In Berlin?‘. ‚In Berlin.‘ Das Fenster fror ein, Schwarz. Dann grau ...“
Ein Staubsturm! In meinen Sinnen geisterten gefürchtete Szenarien, wie die Drohungen atomarer Wettrüstung, latente Kriegsgefahren rund um den Erdball, eine militante Abkehr von Alternativen im Umweltbereich, eine massive Bedrohung menschlichen Daseins durch eine schwer kontrollierbare und profitgierig genützte Künstliche Intelligenz, eine Andeutung neuer machtpolitischer Weltblöcke und ihrer bereits erkennbaren Machtspiele. Dann doch nur ein Staubsturm, stellte ich zum Ende dieses sogenannten Thrillers wenig beruhigt fest.
Adalbert Melichar
Elsberg, Marc - Eden. Wenn das Sterben beginnt
Thriller. München: Blanvalet 2026. 767 S. - fest geb. : € 28,80 (DR) ISBN 978-3-7645-0866-1