Fischer, Elena - Wirf einen Schatten
Roman um Joseph, einem biederen Landmann auf seinem Bauernhof.
Joseph, ein biederer Landmann. Tief verbunden mit seinem ererbten Bauernhof. Tiere, Wald, sein bäuerlicher Alltag. Elena Fischer entwirft hier gekonnt in sachter und klarer Sprache die schicksalsbeladene Lebensdeutung eines Mannes, der nie gelernt hat, sich selbst zu vertrauen oder seine Lebenshaltung über die Grenzen seines Bauernhofs hinaus auszurichten.
Sie tut dies Wort für Wort, Satz um Satz, mit viel Feingefühl ausgestattet. Als Leserin/Leser wird man unvermittelt mit der traumatisierten Persönlichkeit Josephs konfrontiert. Seine seelische Hilflosigkeit, seine Realitätsferne und sein ungelöstes, psychisch belastendes Verhältnis zu seinen zum Teil tragisch verstorbenen Familienmitgliedern und Vorfahren. Melancholie, Hilflosigkeit im realen Leben, Sehnsucht nach Beziehung und Liebe prägen diesen Roman. Spürbar, glaubhaft!
Es scheint allerdings, dass es drei Frauen sind, die Josephs Leben in eine andere Richtung bewegen könnten. Lis, die Ehefrau, welche allerdings mit dem ehelichen Sohn vor dem Landleben die Flucht ergriff, Ada, eine der Schwestern von Lis, die in einem unausgesprochen komplizierten Liebesverhältnis zu Joseph steht und nicht zuletzt Birdie, ein junges Mädchen, welches eines Tages in schwerer Not Zuflucht am Hof gesucht hat. Sie ist es, die bei einer guten Gelegenheit Joseph auffordert: „Lieber Joseph, wirf einen Schatten …“
Um es gleich vorwegzunehmen: Es handelt sich bei diesem Roman um keinen Heimatroman bisher gewohnter Handlungsmuster, es handelt sich auch nicht wirklich um einen Bauernroman nach den üblichen seriellen Klischees, obwohl ein biederer Landmann in dessen Mittelpunkt steht. Es geht eher um eine fiktive Biografie, der man immer und überall gewärtig werden kann. Bitte lesen, es lohnt sich wirklich!
Adalbert Melichar
Fischer, Elena - Wirf einen Schatten
Roman. Zürich: Diogenes 2026. 288 S. - fest geb. : € 25,70 (DR) ISBN 978-3-257-07390-4