Häfner, Eberhard - Korinthisches Erz
Gedichte.
Man nehme Kupfer, Silber und Gold, lege alles zusammen und warte. Was herauskommt, nennt man korinthisches Erz. Bei Eberhard Häfner ist es ähnlich, nur dass statt Metallen Wörter in den Schmelztiegel kommen. Und statt eines Gebrauchsgegenstandes entsteht ein Gedicht.
65 Texte hat Häfner in vier Kapitel gelegt. Man könnte auch sagen: Er hat sie nicht gelegt, sondern angesetzt. Wie etwas, das noch arbeitet. Etwas, das sich verändert, sobald man hinsieht. „Vorsicht, weißer Zauber“ heißt es an einer Stelle, und tatsächlich sollte man vorsichtig sein. Nicht weil die Gedichte gefährlich wären. Sondern weil sie sich der gewöhnlichen Verwendung von Sprache widersetzen.
Häfner mischt, was nach poetischer Vernunft nicht unbedingt zusammengehört. Gedanken stoßen auf Bilder, Bilder auf Sprachreste, das Zufällige auf das Genauere. Die Logik darf dabei gelegentlich vor der Tür warten. Ex falso quodlibet: Aus dem Falschen folgt alles. In der Dichtung ist das keine Schwäche, sondern eine Methode. Am Ende, im langen Schlussgedicht „Nur noch eine Frage“, wird diese Methode beinahe zu einem poetischen Programm: „es mangelt an Worten / aus denen das Poetische tropft“.
Das klingt zunächst nach Mangelverwaltung. Ist aber das Gegenteil. Denn Häfners Gedichte zeigen, dass Worte nicht unbedingt mehr werden müssen, damit etwas Poetisches entsteht. Manchmal müssen sie nur lange genug nebeneinanderliegen. Vielleicht ist das der eigentliche Zauber dieses Buches: Es will die Welt nicht erklären. Es lässt sie reagieren. Und wenn aus Kupfer, Silber und Gold etwas Neues entsteht, dann vielleicht auch aus einem Wort und dem nächsten. Man muss nur warten, bis es tropft.
Rudolf Kraus
Häfner, Eberhard - Korinthisches Erz
Gedichte. Wien: Klever, 2026. 80 S. - br. : € 20,00 (DL) ISBN 978-3-99156-031-9