Hartlieb, Petra - Buberlpartie

Hartlieb, Petra - Buberlpartie

Kriminalroman über ein Attentat auf das Lokal eines jüdischstämmigen Besitzers.

Petra Hartlieb ist dem buchinteressierten Wiener Publikum vor allem als engagierte und medial präsente Buchhändlerin bekannt. Was aber zumindest mir bislang weniger bekannt war, ist die Tatsache, dass sie selbst schon seit Langem erfolgreich als Autorin tätig ist. David Schalko schreibt dazu in einem Beitrag auf der Website der Buchhandlung augenzwinkernd und treffend: „Eigentlich sollte man das als Autor nicht unterstützen. Eine Buchhändlerin, die inzwischen mehr Bücher schreibt als die Autoren, die sie verkauft. Während bei den großen Ketten zunehmend Spielzeug und Sponsoring den Büchern den Platz wegnehmen, ist es hier die Buchhändlerin selbst. Man fragt sich: Was ist gefährlicher – Amazon oder Petra Hartlieb? … Aber vor allem geht es natürlich darum, dass Petra Hartlieb plant, am Ende eine Buchhandlung zu besitzen, in der sie nur noch ihre eigenen Bücher verkauft.“

In ihrem zweiten Buch mit Chefinspektorin Alma Oberkofler, der Leiterin der Abteilung Leib und Leben der Wiener Polizei, geht es in „Buberlpartie“ gleich von Beginn an ordentlich zur Sache: Ein Auto rast auf einem beliebten Wiener Markt in das Lokal eines jüdischstämmigen Besitzers, der dort gerade ein Treffen mit einem bekannten Journalisten einer Stadtzeitung abhält. Oberkofler wird zufällig selbst Zeugin dieses Vorfalls, bei dem insgesamt vier Menschen getötet werden – darunter ein Beamter des Wiener Bauamts und eine Mitarbeiterin des Lokals. Bei der Rettung eines Schwerverletzten wird sie durch die anschließende Explosion selbst leicht verletzt, nimmt aber dennoch umgehend mit ihrem Team die Ermittlungen auf.

In mühsamer Kleinarbeit – die sich im Roman über mehr als 300 Seiten erstreckt – verfolgt sie mehrere Theorien zu den Geschehnissen und arbeitet sich nach dem Ausschlussprinzip zum wahrscheinlichsten Tathergang und Tatmotiv vor. Inzwischen hat die Politik hinter ihrem Rücken längst über den Ausgang der Ermittlungen entschieden. Die mögliche politische Brisanz der Tat scheint zu groß, als dass man der Gerechtigkeit einfach ihren Lauf lassen könnte. Hartlieb selbst sagt dazu in einem „Standard“-Interview vom 8. August 2026: „Da recherchieren alle, aber niemand will, dass irgendwer recherchiert. Im Grunde ist dann jeder froh, dass es ein ,Unfall‘ war: Ein Wutbürger, der in ein Restaurant fährt, kein Attentat. Halb so wild, Schwamm drüber.“

Petra Hartlieb zeigt mit „Buberlpartie“ erneut, dass sie nicht nur weiß, welche Bücher sich gut verkaufen, sondern auch selbst einen Krimi schreiben kann, den man den Leser:innen einer Bücherei oder Bibliothek mit gutem Gewissen empfehlen kann. Dass sie dabei auch politisch klar Stellung bezieht, verdient besondere Anerkennung.
Gerald Wödl

Hartlieb, Petra - Buberlpartie
Kriminalroman. Köln: Dumont, 2026. 384 S. br. : € 18,50 (DR) ISBN 978-3-7558-0048-4

Für meine Bücherei kaufen Als Privatperson kaufen