Kisch, Egon Erwin - Prager Verbrechen
Reportagen vom Vorreiter der Kriminalberichterstattung.
Egon Erwin Kisch – der Name wird wohl jüngeren Menschen nichts mehr sagen, aber zu seiner Zeit war er ein Star in den Medien! Er war DER Vorreiter der Kriminalberichterstattung (jetzt sagt man „True-Crime-Reportage“) und er war als der „rasende Reporter „ bekannt. Sabine Rückert hat ihn nun aus der (literarischen ) Versenkung geholt.
Wer ist Sabine Rückert? Sie hat Kommunikationswissenschaften, Theologie, Markt und Werbepsychologie studiert und wurde als Gerichts- und Kriminalreporterin der „Zeit“ bekannt. Und den neuen Zeiten geschuldet moderiert sie den Podcast „Zeit-Verbrechen“. Daher ist es für die Verfasserin der Autobiografie von Egon Erwin Kisch sicher besonders interessant, über die einstigen Verbrechen zu schreiben und den literarischen Nachlass von Kisch aufzuarbeiten. Und auch für die Leser ist es spannend, in die teils unmenschlichen Geschichten und deren tragische Akteure (Opfer und Täter) einzutauchen. Und es ist auch sehr verwunderlich, dass mit den damaligen beschränkten Mitteln doch so viele Verbrechen aufgeklärt wurden.
Mord, Totschlag, Raub und Perversion – die Grausamkeiten waren früher genauso furchtbar wie heute. Nichts hat sich geändert, auch in der „guten alten Zeit“ waren die Menschen zu Horrortaten fähig. Und auch Spionage und Verrat sind geschehen, wie etwa der Fall des Generalstabchefs Oberst Redl 1914, um ein wesentliches Kapitel des Buchs herauszugreifen. Ein Fall, der die Geschichte Österreichs massiv beeinflusst hat. Ein interessanter, gut recherchierter Beitrag.
Das Buch ist eine besondere Mischung aus literarischer Gestaltung und spannenden wahren Kriminalgeschichten, modern aufbereitet und daher für alle Leser (jung und alt) interessant.
Renate Schediwy-Oppolzer
Kisch, Egon Erwin - Prager Verbrechen
Vorgestellt von Sabine Rückert. Berlin: Die andere Bibliothek 2026. 336 S. - fest geb. : € 28,80 (GK) ISBN 978-3-8477-2071-3