Madsen, Jenny Lund - 39 Grad Mord
Origineller Krimi-Plot um eine schwedische Schriftstellerin in Sizilien.
Zum Inhalt: Hannah wäre gerne eine erfolgreiche Schriftstellerin literarischer Stoffe. Ihren Durchbruch hat sie zu ihrem Leidwesen aber mit einer selbst erlebten isländischen True-Crime-Story geschafft. Sie hat auch schon den Verlagsvertrag für einen weiteren Krimi unterschrieben, was sie nun mangels Plot-Idee sehr bereut. Um ihre Schreibblockade zu überwinden, schickt sie ihr Verleger in eine Ferienvilla auf Sizilien. Dort lernt sie gleich nach ihrer Ankunft ein wohlhabendes schwedisches Ehepaar kennen, in dessen luxuriösem Haus sie alkoholkonsumbedingt auch gleich übernachtet. Als sie erwacht, ist ihre Gastgeberin tot, erschlagen mit einem Fleischhammer, und ihr Ehemann verschwunden. Hannah und der Ehemann sind für die lokale Polizei naturgemäß die Hauptverdächtigen in dem Mordfall. Sie nimmt auf eigene Faust Ermittlungen auf, da sie selbst sicher nicht gemordet hat – so betrunken war sie ja nun auch wieder nicht –, und auch von der Unschuld des Ehemanns bald überzeugt ist. Sind vielleicht die Immobiliengeschäfte des Mordopfers, die sie im Umfeld der Mafia betrieben hat, das Mordmotiv? Oder ist doch alles ganz anders? Und ist das jetzt vielleicht der so innig herbeigesehnte Plot für Hannahs zweiten Krimi?
Diesen originellen Krimi-Plot verdanken wir der dänischen Autorin Jenny Lund Madsen.
Zur Autorin: Die 1983 geborene renommierte Drehbuchautorin ist zumindest in Dänemark wahrlich keine Unbekannte mehr, hat sie doch gleich für ihren Debütroman, der in deutscher Übersetzung den Titel „30 Tage Dunkelheit“ trägt, im Jahr 2021 den Preis für den besten dänischen Kriminalroman des Jahres erhalten. Dies war der erste Band einer Serie um die Autorin Hannah Krause Bendix, die auch die Protagonistin dieses Buches ist. Ihre Romane verbinden Krimi-Plots mit ironischen, selbstreflexiven Elementen und zeichnen sich durch satirische Spitzen gegen die Gepflogenheiten der Verlags- und Autor:innenwelt aus.
Und wer sorgt in diesem Fall dafür, dass das Ganze überhaupt in unseren Händen landet? Der Tropen Verlag.
Zum Verlag: Wenn Ihnen als Bibliothekar:in der Tropen Verlag bislang vielleicht noch nichts gesagt hat, so ist das keine echte Wissenslücke. Der Verlag ist eine eigenständige Marke, ein sogenanntes Imprint, in der renommierten Klett-Cotta-Verlagsfamilie, die Sie dafür sicher kennen. Ja, auch in der Verlagsbranche gibt es seit vielen Jahren unglaubliche Konzentrationstendenzen. Das bedeutet für Sie: Hinter einer scheinbar vielfältigen Verlagslandschaft stehen oft nur noch wenige große Häuser. Wie vielfältig bleibt der Buchmarkt, wenn immer mehr Programme, Marken und Entscheidungen unter wenigen Dächern und bei wenigen Personen gebündelt werden?
Jetzt muss ich Ihnen nur noch verraten, wie mein Leseerlebnis von „39 Grad Mord“ ausgesehen hat.
Meine bescheidene Meinung: Jenny Lund Madsen serviert einen Plot, der so originell ist, dass man glatt vergisst, dass man mit Hannah eigentlich bei 39 Grad auf Sizilien schwitzt. Man spürt die Hitze beim Lesen quasi auf der Haut. Hannah stolpert durchaus sympathisch von einem alkoholischen Getränk zum nächsten, trifft dabei auf prototypische Italiener:innen und tappt selbstironisch durch Verdächtigungen, Mafia-Geschäfte und ihre eigene Schreibblockade. Alles ist flüssig erzählt, die Spannung hält über weite Strecken gut, und die satirischen Spitzen gegen die Verlagswelt treffen für mich ins Schwarze. Am Ende fügt sich alles wie von selbst: der Mordfall ist gelöst, die Hitze überlebt, die Plot-Idee für Hannahs zweiten Krimi vorhanden. Am Ende gilt eben doch: Egal, welch großer oder unbekannter Name auf dem Cover steht und wie renommiert auch immer der Verlag ist, der das Buch herausgibt, der wahre Star bleibt der Inhalt des Buchs. Womit wir wieder beim Anfang dieser Rezension wären.
Gerald Wödl
Madsen, Jenny Lund - 39 Grad Mord
Kriminalroman. Stuttgart: Tropen 2026. 368 S. kt. € 17,50 (DR) ISBN 978-3-608-50285-5 Aus dem Dän. von Elke Ranzinger