Maidan

Maidan

Veröffentlicht am 03.05.2022

Eindringliches Panorama über die Ereignisse auf dem Maidanplatz in Kiew

Von Dezember 2013 bis Februar 2014 richtet Loznitsa seine Kamera auf den Kiewer Unabhängigkeitsplatz. In kühnen, die übliche Ästhetik von Reportagen kontrastierenden Einstellungen verdüstert sich die Atmosphäre von den friedlichen Anfängen zu den gewaltsamen Szenen unmittelbar vor der Absetzung des Präsidenten.

Er fügt Aufnahmen jener zivilen Unruhen, die im Winter 2013/14 am Kiewer Maidan losbrachen, zu einem wirkmächtigen Zeitdokument zusammen. Die Aufstände zeigen die Umstände auf diesem zentralen Platz während der lange sich hinziehenden ukrainischen Revolution. Mit der Absicht, den regierenden ukrainischen Präsidenten Wiktor Janukowitsch zu stürzen, haben sich die Protestierenden auf dem Maidan versammelt. Als sie jedoch mit der Polizei aneinandergeraten (oder besser gesagt: die Polizei an sie gerät), setzen Straßenschlachten ein, und die Gewalt nimmt überhand.

Loznitsa passt einzelne Sequenzen des Protestverlaufs in eine streng geordnete Form ein, verharrt dabei konsequent am zentralen Schauplatz des Geschehens, dem Kiewer Maidan. Schleichend ergibt sich so ein eindringliches Panorama über die Ereignisse auf dem Maidanplatz in Kiew. Der Film verzichtet auch auf genretypische Verfahren wie Interviews oder hervorgehobene Protagonisten. Stattdessen gelingen großartige Szenen aus der Perspektive der demonstrierenden Massen. Bewusst Partei ergreifend gibt der Film auch einen Blick auf die nationalreligiös aufgeladenen Pathosformeln des Umsturzes frei. Ein großartiges, wichtiges Zeitdokument.
Peter Klein

Maidan
Regie: Losnitza Sergei. 375 Media 2022. 134 Min. € 15,99 EAN 4015698899351