Pittler, Andreas - Kärntner Schatz

Pittler, Andreas - Kärntner Schatz

Kriminalroman, spielend im beschaulichen, bäuerlichen Kärntnerland.

„Knochen lügen nicht“ lese ich im Vorspann dieses Taschenbuch-Krimis! Ja, warum sollten sie auch, ist ja noch nicht vorgekommen. Sogenannte Experten diverser Wissenschaften können sich über ihr Alter nicht einig werden, auch nicht über ihre Herkunft, ihr Geschlecht oder gar über die Art ihres Todes.

So scheint es auch bei den Aushubarbeiten für ein Schwimmbad im beschaulichen, bäuerlichen St. Andrä im Kärntnerland. Mit einem Kleinbagger wird plötzlich ein Totenkopf aus der Gartenerde herausgebuddelt. Lange Rede, kurzer Sinn: Es findet sich auch alles andere, was sich halt an so einen Kopf noch anschließt. Obendrein ist das Skelett auf die Römerzeit zurückzuführen, hat also samt anderen Fundstücken einerseits einen riesigen historischen, andererseits aber einen pekuniären Wert. Pecunia egemus! Dieser Leitspruch aus der guten alten Römerzeit sollte auch in diesem Krimi nicht ohne doppelbödige Bedeutung sein.

Vorerst liest es sich in diesem Büchlein allerdings ein wenig anders. Für mich etwas zu beschaulich. Bis ein Fall eintritt, der einem gestandenen Krimi eigentlich die literarische Existenz verleiht. Es wird ein Toter entdeckt, in dessen Brust ein blutverschmierter mittelalterlicher Dolch (der sich im Nachwort allerdings als Brieföffner herausstellt) steckt. Dies noch dazu in einem Büro an der Universität Klagenfurt. Es handelt sich bei dem Opfer um den Wissenschaftler Professor Johannes Schrittwieser, seines Berufs Historiker, seines Wesens und seiner Art ein richtiger Eigenbrötler, dem man in keiner Richtung etwas Tatverdächtiges anhängen könnte, um den Mordfall zu klären.

So beißen sich die Ermittler, Chefinspektor Sigisbert Obiltschnig und sein Kollege Ferdinand „Ferry“ Popatnig, bei ihren Erhebungen vorerst ihre bissbereiten Zähne aus. Nichts, nichts ... So liest man als hartnäckiger Krimifan bis zur Seite 210 halt so dahin. Da aber, ein Hinweis, der sich lohnt. Das Mordopfer hatte einen Besprechungstermin in seinem Laptop mit einem oder einer „Markl“ vermerkt und bei diesem handelt es sich um einen Vulgonamen, wie es bei Bauerngütern am Land oft Sitte ist. „Ferdi! Wir sind solche Trotteln“, war die urplötzliche Einsicht beider Erhebungsorgane. „Markl ist ein Vulgoname“, platzte es aus Obiltschnig heraus. 

Also, ab dieser „Büchlseite“ geht die Sache kriminell aufgeplustert nunmehr so richtig los. Dabei sei, um dem Krimi die Restspannung nicht auch noch zu nehmen, die Rezension im Detail gestoppt. Nur so viel: Ab Seite 219 hebt sich die Spannung gewaltig (Identifizierung des tatsächlichen Täters, dessen gewaltsame Flucht und Verfolgung). Ab Seite 227 wird es gewalttätig – also bitte lesen! Ab Seite 235 wird es nach meinem Dafürhalten brutal und auf Seite 242 ist es wieder selig gemütlich. Dazu findet sich auch noch ein Epilog in Form einer innerdienstlichen Diskussion. So weit, so gut …
Adalbert Melichar

Pittler, Andreas - Kärntner Schatz
Kriminalroman. Meßkirch: Gmeiner 2026. 250 S. - kt. : € 16,00 (DR) ISBN 978-3-8392-8061-4

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