Pustet, Julia - Alles ganz schlimm
Veröffentlicht am 22.01.2026
Von Dramen und Schmerz, von Politik und Feminismus, von Freundschaften und der Herausforderung Familie.
In einem etwas rätselhaften Prolog startet der Roman um Suanne, eine junge Frau, die wie jede andere Frau auch Probleme und Konflikte in ihren Liebesbeziehungen, in Familienbeziehungen und in Freundschaften hat.
Nur langsam erschließen sich die krassen Herausforderungen, die Zwänge der Realität und die Enttäuschungen und Erinnerungen. Susanne hat einst als Prostituierte gearbeitet, darüber spricht sie nicht, hat aber einen Text darüber verfasst. Ihre beste Freundin Stella stiehlt ihr den Text und veröffentlicht ihn als ihren Text. Susanne wendet sich an die Öffentlichkeit, dass der Text von Stella gestohlen wurde. Das löst nicht nur eine Welle von Hasspostings, Gerüchten und Beschimpfungen aus, sondern führt außerdem zum Selbstmord von Stella, sodass letztendlich Susanne auf der Psychiatrie landet. Sie zieht einen Schlussstrich von ihrem bisherigen Leben und wendet sich der Familie zu. In Italien bei ihrer Großmutter scheint sie wieder Halt zu finden, doch behindern Erinnerungen, Selbstzweifel und Vorwürfe den Heilungsprozess.
In Einschüben und Briefen, kurzen Dialogen und Monologen erzählt Julia Pustet von Dramen und Schmerz, von Politik und Feminismus, von Freundschaften und der Herausforderung Familie. Das Tempo wechselt stetig von laut auf leise, von langsam auf turbulent, von sanft auf brachial. Phasenweise fegt dieser Roman wie ein Sturm über das Dach und die Überzeugung, dass die Ziegel halten werden, ist bescheiden. Dann aber folgen auch mühsame, kaum flüssige Szenen und Stellen, die teilweise eine Antipathie gegenüber Susanne aufkommen lassen. So sollte es aber nicht sein, das Buch besitzt eine gewaltige Wucht. Einmal darauf eingelassen, lässt sie nicht mehr los.
Rudolf Kraus
Pustet, Julia - Alles ganz schlimm
Roman. Innsbruck: Haymon 2025. 356 S. - fest geb. : € 26,95 (DR9 ISBN 978-3-7099-8256-3

