Rossbacher, Claudia - Steirerzwist

Rossbacher, Claudia - Steirerzwist

Zwei Wasserleichen an der Mur.

Wahrscheinlich gibt es in Österreichs Büchereien und Bibliotheken kaum noch passionierte Krimileserinnen und Krimileser, die nicht bereits einen der bislang 15 erschienenen Kriminalromane rund um den Grazer Chefinspektor Sascha Bergmann und seine Mitarbeiterin Sandra Mohr in der Hand gehabt haben. Und sollte man doch zu jener Minderheit gehören, die bislang keinen dieser Romane gelesen hat, ist man der Reihe vermutlich dennoch im Fernsehen begegnet: in den bisher sechs von ORF und ARD gemeinsam verfilmten „Steirerkrimis“ sowie in weiteren Spin-off-Folgen, die nicht auf einem einzelnen gleichnamigen Roman beruhen, sondern auf Figuren und Motiven aus dieser Krimireihe. So weit, so erfolgreich für die vielfach ausgezeichnete österreichische Autorin Claudia Rossbacher!

„Steirerzwist“ führt das erprobte Konzept nun aus meiner Sicht recht ambitionslos weiter: Am Murufer wird die Besitzerin und Chefin des Grand Hotel Waldner bei ihrer morgendlichen Joggingrunde ermordet und als Wasserleiche stromabwärts angespült. Kurz darauf wird in der Nähe des Tatorts auch die Leiche eines obdachlosen Mannes gefunden. Bergmann und Mohr vermuten rasch einen Zusammenhang zwischen den beiden Mordfällen. Auf rund 200 Seiten verhören sie – zumindest gefühlt – unzählige Personen aus dem beruflichen und privaten Umfeld der Hoteldirektorin und landen schließlich den ersehnten Ermittlungserfolg. Ende gut, alles gut!? 

Man kann der Autorin durchaus zugutehalten, dass sie Polizeiarbeit in ihren Romanen so schildert, wie sie tatsächlich oft ist: langwierig, mühsam und monoton. Auch die Figurenzeichnung lässt sich positiv hervorheben, da viele Details aus dem Privatleben der Ermittlerinnen und Ermittler geschildert werden und die Romanfiguren dadurch lebendig wirken. Ebenso kann man Gefallen am routinierten Schreibstil der Autorin finden. Wie man eine derart simple und letztlich handlungsarme Geschichte allerdings auf fast 280 Seiten ausbreiten kann, bleibt für mich dennoch ein Rätsel. Vielleicht hängt es mit den vielen vom Handlungsverlauf losgelösten Textstellen zusammen, die für mein Empfinden mitunter eine manchmal überbordende Liebe zum Detail zeigen? Zum Beispiel jener, in der Sandra Mohr eine Trinkflasche für eine gemeinsame Joggingrunde mit ihrem Freund vorbereitet: „Während er auf seinen Kaffee wartete, füllte Sandra die Wasserflasche an. Eine würde reichen, entschied sie. Notfalls konnte sie diese unterwegs nachfüllen. Schließlich liefen sie durch ein Wasserschutzgebiet, kamen an mehreren Quellen und an einem Bach mit Trinkwasserqualität vorbei. Auch zwei Gasthäuser lagen in der Nähe, die früh aufsperrten.“

Ich bin mir trotzdem sicher, dass Rossbacher-Fans auch dieses Buch mögen werden, wenngleich es gewiss nicht zu den stärksten Bänden der Reihe zählt.
Gerald Wödl

Rossbacher, Claudia - Steirerzwist
Kriminalroman. Meßkirch: Gmeiner 2026. 288 S. - kt. : € 19,00 (DR) ISBN 978-3-8392-0906-6

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