Sachslehner, Johannes - Jeder Platz ein Geheimnis
Wiener Plätzen auf der Spur.
Wien ist reich an Plätzen vor Kirchen, mit Denkmälern, Brunnen oder Säulen. Zwölf unterschiedliche, besonders bedeutende oder pittoreske Plätze werden hier zur näheren Betrachtung vorgestellt. Die meisten befinden sich in der Innenstadt, doch auch in den Nachbarbezirken gibt es wunderschöne Plätze, wie den Pfarrplatz in Heiligenstadt, den Jodok-Fink-Platz in der Josefstadt, den Sankt-Ulrichs-Platz im 7. und den Sobieskiplatz im 9. Bezirk.
Manche Plätze hatten ursprünglich ein anderes Aussehen als heute. So stand beim Stephansdom vor der Westfassade eine lange Häuserzeile und beeinträchtigte den Blick auf die Kirche. Bis 1732 existierte ein Friedhof, auf dem seit dem 9. Jahrhundert Bestattungen stattfanden. Wie dieser wurde 50 Jahre später auch die Maria-Magdalena-Kapelle abgerissen, wobei die (heute als Virgilkapelle bekannte) Unterkirche mit Bauschutt gefüllt wurde. Erst durch den Bau der U-Bahn in den 1970er Jahren wurde diese Kapelle wiederentdeckt. Manche Plätze dienen seit vielen Jahren als Marktplätze oder werden zu Weihnachten und Ostern zu stimmungsvollen Orten wie der Platz am Hof. Manche Plätze werden zu Versammlungs- und Kundgebungsplätzen wie der Heldenplatz, der sich heute als großartige imperiale Kulisse präsentiert und im kollektiven Gedächtnis mit dem eindrucksvollen Lichtermeer, leider aber auch mit der Rede Hitlers und der damals unüberschaubaren Menschenmenge verbunden bleibt.
Zu intimen Plätzen geworden sind heute viele in den Vorstädten. So ist der Jodok-Fink-Platz (besser bekannt als Piaristenplatz) bei der Kirche Maria Treu im 8. Bezirk ein idyllischer Aufenthaltsort. Vor der barocken Kirchenfassade und der Mariensäule, flankiert von Volksschule und Gymnasium der Piaristen, befindet sich im Schatten der Bäume nicht nur einer der schönsten Plätze Wiens, sondern auch ein Ort der Erholung mit grandiosem Flair. Ebenso stimmungsvoll wirkt der Sankt-Ulrichs-Platz im 7. Bezirk. Die Enge des Platzes, die alten Häuser und die mächtige Kirche vermitteln eine intime Atmosphäre.
Der Historiker Johannes Sachslehner, der sich vor allem der verborgenen und verdrängten Geschichte Wiens widmet, beschreibt zwölf sehr individuell gestaltete Plätze in Wien, erzählt dazu Geschichten und Details. Alte historische und neue Fotos ergänzen den interessanten Text. Das Buch macht Lust, die beschriebenen Plätze selbst zu besuchen.
Traude Banndorff-Tanner
Sachslehner, Johannes - Jeder Platz ein Geheimnis
Wiener Plätzen auf der Spur. Wien: Styria 2025. 224 S. - fest geb. : € 32,00 (EH) ISBN 978-3-222-13747-1