Sargnagel, Stefanie - Opernball

Sargnagel, Stefanie - Opernball

Zu Besuch bei der Hautevolee.

Der Opernball ist seit Jahrzehnten das Großereignis der Wiener Ballsaison. Jahr für Jahr treffen sich die Schönen, die Reichen, die Mächtigen in Österreichs wichtigstem Opernhaus, um zu tanzen und zu genießen. All das wird üblicherweise von einem großen Medienspektakel begleitet. Aber was passiert, wenn die vielleicht unopernballigste Autorin Österreichs den Opernball besucht und darüber schreibt? Natürlich ein humoristischer Hochgenuss ganz im Sargnagelschen Stil.

Das Ausgangsszenario des Buches ist der Besuch von Stefanie Sargnagel gemeinsam mit zwei Freund:innen: der Kellnerin und dem Museumswärter – Vornamen bleiben unerwähnt. Ab Seite eins entwirft die Autorin gekonnt eine Schilderung zwischen Groteske und Glamour – und zeigt so eindrücklich, wie ihre scharfe, gesellschaftskritische Beobachtungsgabe auf ihren einmaligen Schreibstil trifft. Der Abend beginnt logischerweise mit dem Einlass – man steht im Gatter – und verläuft dann über die leider nur 75 Seiten hinweg an den unterschiedlichen Stationen des Opernballs: dem Foyer, einem Würstelstand, der Tanzfläche und einer Loge.

Die Autorin schafft es dabei, eine großartige Vermischung von Realität, etwa wie sich Dompfarrer Toni Faber in Szene setzt oder sich die Sozialdemokraten beim Würstelstand einfinden, und dem Phantastischen, etwa wenn die Hälse der Reichen immer länger und die juwelenbehängten Ohrläppchen der Schönen immer schwerer werden. Die Beschwerden darüber, dass alles immer billiger wird und man bald im Kommunismus ende, sind herrlich amüsant. Und natürlich darf auch ein Auftritt von IHM nicht fehlen – ohne zu viel zu spoilern: Opernball ohne Richard Lugner geht literarisch natürlich auch nicht. Im Laufe des Abends wird es immer skurriler, die Stimmung ausgelassener, und das Ganze gipfelt in einem umfassenden Exzess.

Das Buch ist eine absolute Empfehlung für alle Fans von Stefanie Sargnagels bisherigen Büchern, wie „Iowa“ oder „Dicht“, oder ihren Comics im Falter. Es ist eine gekonnte Beobachtung und Beschreibung der Opernball-Hautevolee, die viel zum Schmunzeln bietet. Für jene, die mit ihren humoristischen Beobachtungen bisher nicht viel anfangen konnten, ist vermutlich auch dieses Buch nicht geeignet. Abschließend sei auch noch die Inszenierung am Rabenhof Theater im dritten Wiener Gemeindebezirk empfohlen – auf diesem Theaterstück, ebenfalls von Stefanie Sargnagel geschrieben, beruht das Buch.
Julia Stroj

Sargnagel, Stefanie - Opernball
Zu Besuch bei der Hautevolee. Hamburg: Rowohlt 2026. 80 S. - fest geb. : € 18,50 (DR) ISBN 978-3-498-00882-6

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