Schulbibliothek des BG und BRG Keimgasse in Mödling - In Ruhe lesen
Silke Rabus über die Schulbibliothek des BG und BRG Keimgasse in Mödling.
Die Schulbibliothek des BG und BRG Keimgasse in Mödling präsentiert sich nach einem Umbau als moderner und attraktiver Lese- und Aufenthaltsort.
Die Anfänge der Schulbibliothek des Bundesgymnasiums und Bundesrealgymnasiums Keimgasse liegen im Dunkeln. Die Schule selbst wurde bereits 1897 eröffnet. Damals gewann Mödling nicht nur als Zuzugs- und Naherholungsgebiet Bedeutung, sondern auch die Industrialisierung ließ die Ortschaft am Rande des Wienerwaldes rasch wachsen. Heute hat die Schule in der Franz-Keim-Gasse 3 mehr als 1.000 Schüler:innen zwischen zehn und 19 Jahren und sticht durch ihren Schwerpunkt in der Begabungsförderung hervor. Die Schüler:innen dieser Modellklassen absolvieren die Unterstufe in drei statt der sonst üblichen vier Jahre, in der Oberstufe wird der Lehrstoff durch Interessenskurse und sogenannte „Pluskurse“ ergänzt. Es gibt sogar zahlreiche Modellklassenschüler:innen, die „nebenher“ an der Universität studieren. Die Gegenstände Kunst und Medien sowie Wirtschaft und Recht oder ein Schwerpunkt in den Naturwissenschaften bieten den Schüler:innen aber noch weitere Möglichkeiten, Freude am Lernen zu entwickeln. Mit ihrem vielfältigen Angebot fügt sich auch die Schulbibliothek in dieses Konzept ein.
Lesen, schmökern, lernen
„Die Schulbibliothek gibt es meines Wissens schon sehr lange“, erzählt deren Leiterin Renate Weimann. Sie unterrichtet seit 14 Jahren an der Schule Deutsch und Musik und hat die Leitung der Bibliothek 2024 nach einem großen Umbau übernommen. Dabei wurde von 2019 bis 2022 nicht nur das denkmalgeschützte Schulgebäude komplett saniert und um zusätzliche 6.400 Quadratmeter Fläche mit einem offenen und hellen Zubau erweitert – auch die Schulbibliothek bekam mit 180 m2 Grundfläche mehr Platz.
„Unsere Bibliothek hat jetzt einen wunderschönen Holzfußboden, der sie sehr heimelig macht“, freut sich Renate Weimann. „Wir haben einen räumlich etwas abgetrennten Jugendbuchraum, der durch gemütliche Polster und Sitzmöbel zum Lesen und Schmökern einlädt.“ Der große Hauptraum wiederum ist durch mobile Regale gestaltbar, an den Wänden sind fix montierte Regale befestigt. Verschiebbare Elemente können zudem für die Präsentation der unterschiedlichen Fachbereiche genutzt werden. Durch eine Tür von diesem Hauptraum abgetrennt, findet sich noch ein weiterer, circa 15 Quadratmeter großer Leseraum: „Dort stehen Tische und acht Sessel und es kann in Ruhe gearbeitet werden“, erklärt die Bibliotheksleiterin: „In diesem Leseraum befindet sich auch unsere Klassenlektüre. Allein für den Deutschunterricht gibt es in Klassenstärke über 100 unterschiedliche literarisch bedeutsame Werke aus dem Bücherkanon. Auch die englische und französische Klassenliteratur ist hier gelagert.“ Für die Auswahl und Betreuung der Klassenlektüre sind aber nicht die Schulbibliothekar:innen verantwortlich, diese übernimmt eine eigens hierfür abgestellte Deutschlehrerin.
Gleich neben dem Eingang befindet sich außerdem eine Ausstellungswand für die wechselnden Themengebiete, die je nach Jahreszeit und Themenstellung von der Interessensgruppe Bibliothek gestaltet werden. „Dort gegenüber gibt es Kästchen für die Schulrucksäcke zur Ablage“, ergänzt Renate Weimann. „Neu ist auch der großzügige Arbeitsplatz für den Verleih – quasi ein Schalter mit zwei Arbeitsplätzen und einem PC.“
Bibliotheksteam aus Lehrer:innen und Schüler:innen
Neben der Leiterin gehören noch eine Lehrerkollegin und zwei Oberstufenschüler:innen zum Bibliotheksteam. „Für weitere Schülerbibliothekar:innen biete ich jährlich einen ‚Interessenskurs Schulbibliothek‘ an, hier erlernen sie die Aufstellung, die Katalogisierung, den Verleih und alles Wichtige, was Schübis können sollten“, erzählt Renate Weimann über die Organisation der Bibliothek, deren Angebot sich übrigens nicht nur an alle Schüler:innen, sondern auch an sämtliche Kolleg:innen richtet. „Wir haben täglich geöffnet, vor allem in der Früh vor Unterrichtsbeginn von 7:45 Uhr bis 8:00 Uhr“, so die Bibliotheksleiterin. „Je nach Stundenplan können wir die Öffnungszeiten aber auch während der Unterrichtszeit frei einteilen. Abgesehen von den Pausenöffnungen haben wir daher jeden Tag auch zwei bis vier Stunden während des Unterrichts geöffnet.“ In der Nachmittagsbetreuungszeit besteht für die Schüler:innen dann die Möglichkeit, die Bibliothek für ruhiges Arbeiten, Schreiben, Lesen und sogar Schachspielen zu benützen, die Aufsicht übernimmt eine/ein Lehrer:in. Einen Verleih gibt es am Nachmittag allerdings nicht.
Finanziert werden die Anschaffungen oder auch Lesungen hauptsächlich durch den Elternverein. „Leider ist das Budget sehr gering“, bedauert Renate Weimann die eingeschränkten Ankaufsmöglichkeiten und freut sich daher umso mehr über die Förderung des Büchereiservice des ÖGB. „Über den Bücherei-Servicescheck können wir doch immer mehr anschaffen, als es uns sonst möglich wäre. Auch der Kundenservice ist großartig, freundlich, schnell, hilfsbereit.“ Die Bestellungen der Medien beim Büchereiservice des ÖGB übernimmt übrigens die Schule nach Absprache des Bibliotheksteams mit der Direktion.
Bücher, Zeitschriften, audiovisuelle Medien
Derzeit stehen in der Schulbibliothek des BG/BRG Keimgasse gut 11.000 Medien zur Ausleihe bereit – hauptsächlich Bücher, einige Zeitschriften und ausgewählte audiovisuelle Medien. Der Schwerpunkt liegt auf der Jugendliteratur und Sachbüchern für Kinder und Jugendliche, aber auch Literatur und Sachbücher für Erwachsene sind gut vertreten. „Bei Neubestellungen halten wir uns einerseits an die Empfehlungen, die im Rahmen der Bibliotheksweiterbildungen vorgestellt werden, und andererseits an Hitlisten, die wir im Schuljahr sammeln“, berichtet Renate Weimann. Natürlich wird auch versucht, Wünsche der Kolleg:innen und einzelner Fachgruppen zu eruieren und zu ermöglichen. „Die Abteilung für Graphic Novels und Mangas zum Beispiel ist sehr jung und noch nicht sehr repräsentativ“, ergänzt die Bibliotheksleiterin. „Momentan haben wir rund 50 Graphic Novels im Bestand und 15 Mangas.“ E-Medien hingegen gibt es nicht, hier verweist das Bibliotheksteam auf die großen öffentlichen Bibliotheken.
Werbung für die ersten Klassen
Zu Schuljahresbeginn werden alle Schüler:innen der ersten Klassen – heuer sind das sieben – auf das Angebot der Schulbibliothek aufmerksam gemacht. In einer Doppelstunde mit den Deutschlehrer:innen stellt das Bibliotheksteam mittels Stationenbetrieb die Bibliothek und ihre Nutzung, den Verleih und die Aufstellung der verschiedenen Gruppen vor beziehungsweise lässt diese von den Schüler:innen erarbeiten. Kurz darauf folgt, durch die Lehrkräfte des Unterrichtsgegenstandes Soziales Lernen geplant und organisiert, das „Erste-Klassen-Willkommensfest“ der Keimgasse. Die Schulbibliothek bietet hier, so wie auch alle Fachgruppen, einen Einblick in ihre Räumlichkeiten, den Bestand und die Nutzung. „Vom Interessenskurs Schulbibliothek wird hier unter meiner Leitung wieder ein kleiner Stationenbetrieb gestaltet“, so Renate Weimann: „Die Erstklässler können miteinander oder allein einen Spielepass ‚abarbeiten‘, bei dem sie sich am Ende, wenn sie das gesamte Angebot unserer Schule kennengelernt und sich ihre Stempel verdient haben, eine Kleinigkeit am Schulbuffet abholen.“
Für Neuanschaffungen stehen zudem zwei Aufstellregale zur Verfügung. Verbesserungspotenzial gibt es aber noch bei der Bewerbung der Bibliothek und ihrer Angebote gegenüber dem Lehrerkollegium. „Hier funktioniert es am besten, wenn Kolleg:innen mit ihren Klassen in die Bibliothek kommen und sehen, was es Neues gibt“, erklärt die Bibliotheksleiterin. Zusätzlich werden alle Kolleg:innen über Veranstaltungen der und in der Bibliothek informiert. „Auch über die Homepage und über einen eigenen Instagram-Account versuche ich, so viel als möglich zu informieren, zu bewerben.“
Feste, Lesungen, Buchausstellungen
Neben dem erwähnten Willkommensfest für die Erstklässler und der Einführung in die Bibliothek finden aber auch weitere Veranstaltungen statt. Vor Weihnachten kommt jedes Jahr der Geschichtenerzähler KAI für die ersten und zweiten Klassen in die Bibliothek. „Mit einer Partnerbuchhandlung veranstalten wir im November auch immer eine Buchausstellung – allerdings nicht in der Schulbibliothek“, erzählt Renate Weimann. Ebenfalls im November, am Tag der offenen Tür, bietet die Bibliothek ein Kennenlernspiel oder einfach nur einen Rundgang an.
Einmal im Jahr nimmt die Bibliothek auch am Österreichischen Vorlesetag teil. Hier bereiten Oberstufenschüler:innen Bücher vor, die sie den ersten und zweiten Klassen im gemütlichen Setting während der Unterrichtsstunden vorlesen. Und es finden ein- bis zweimal jährlich Lesungen von Autor:innen statt. „Heuer ist es mir gelungen, Vea Kaiser für eine Lesung vor den Oberstufenschüler:innen zu gewinnen, sie kommt ja sonst eigentlich nicht an Schulen“, freut sich Renate Weimann und ergänzt: „Erstmalig haben wir heuer auch ein ‚Blind Date with a book‘ organisiert – das ist sehr gut angekommen!“
Durch eine engagierte Elternvertretung konnten vor zwei Jahren zudem zwei Büchertauschregale – eines direkt vor dem Eingang der Bibliothek, eines im Raum der Nachmittagsbetreuung –eröffnet werden. „Anlässlich des jährlichen Literaturwettbewerbs unserer Schule veranstalten wir rund um den Welttag des Buches auch immer eine sogenannte ‚Kopfkinowoche‘“, erklärt die Bibliotheksleiterin. Hier wirken auf Einladung der Bibliothek wünschenswerterweise alle Kolleg:innen und Fächer mit: „Am Montag wird in der ersten Stunde circa 10 Minuten lang aus einem Buch der Wahl allen Klassen vorgelesen, am Dienstag dann zu Beginn der zweiten Stunde, am Mittwoch zu Beginn der dritten Stunde, am Donnerstag zur vierten und am Freitag zur fünften Stunde.“
Ruhe fürs Schachspiel
Die Bibliothek bietet aber nicht nur Raum für Veranstaltungen, sondern ist vor allem auch ein Arbeitsort. „Wir haben circa 20 Arbeitsplätze, dazu vier PC-Arbeitsplätze, einen Beamer und Lautsprecherboxen“, informiert die Bibliotheksleiterin. Entwickelt aus der Begabungsförderung, finden an der Schule in jedem Semester die sogenannten „FLipiK-Wochen“ statt. FLipiK heißt: Freies Lernen interessens- und personenorientiert in (der) Keimgasse. In diesen zwei Wochen pausiert der „normale“ Unterricht und die Schüler:innen arbeiten selbstständig und nach freier Zeiteinteilung. Überhaupt ist die Schulbibliothek für die ruhige Arbeit, das Recherchieren und Ausarbeiten von Arbeitsaufträgen immer ein sehr begehrter Ort: „Da ist sie immer sehr gut besucht, die Arbeitsplätze sind dann oft Mangelware“, erzählt Renate Weimann.
Ganz generell zeichnet sich die Bibliothek durch ihre Ruhe aus – und ganz besondere Angebote. „Wir haben seit eineinhalb Jahren auch einen alten Schachtisch und zwei bequeme Fauteuils“, erzählt die Bibliotheksleiterin. „Diese sind sehr beliebt bei Schüler:innen, die sonst nicht so gern fürs Lesen oder Schmökern in die Bibliothek kommen. Er zieht manchmal bis zu sechs Schüler:innen gleichzeitig an.“
Welches Potenzial bei den Schüler:innen liegt, zeigt ein ganz anderes Projekt: In diesem Schuljahr steuerte eine Klasse im Rahmen des Kunstunterrichts selbst konstruierte „Fenster in die Welt der Bücher“ als Gestaltungselemente für den Jugendbuchbereich bei. „Diese Fenster werden eine schöne Bereicherung für die Bibliothek werden“, so Renate Weimann.
Blick in die Zukunft
„Wir haben großen Aufholbedarf bei der Katalogisierung unseres Bestandes. Es gibt sehr viele Werke, die noch uralte Signaturen haben, das gehört alles einmal erneuert“, schaut Renate Weimann auf zukünftige Aufgaben. Erst im Jänner wurde zudem auf das Verwaltungsprogramm LITTERAre umgestellt. Es ist also genug zu tun: „Durch meine volle Lehrverpflichtung neben der Bibliotheksarbeit habe ich ständig das Gefühl, hinter allem herzuhinken. Gern würde ich weniger unterrichten, um noch mehr hier in der Bibliothek bewirken zu können! Aber das ist leider nicht möglich.“ Außerdem müssten zahlreiche Bücher aussortiert werden. „Es gibt viele alte Bücher, die seit Jahren hier quasi nur "ruhen" – dabei bräuchten wir ständig Platz für Neuanschaffungen“, erzählt die Bibliotheksleiterin. „Das Aussortieren fällt mir sehr schwer, dabei wäre es dringend nötig.“
Auch Schaukästen in den Gängen in der Umgebung der Bibliothek würde sich Renate Weimann wünschen: „Leider erlauben es die Brandschutzauflagen und damit die Direktion nicht.“ An weiteren Ideen mangelt es ebenfalls nicht – wenn nur das leidige Geld nicht wäre: „Vielleicht noch zwei, drei Leseecken, gemütliche Rückzugsmöglichkeiten oder die Möglichkeit, Working Spaces anzubieten? Oder mehr Geld für das Anschaffen von Medien?“, begeistert sich die Bibliotheksleiterin. „All diese Angebote sind jedoch abhängig von der Direktion und vom Elternverein. Und natürlich wären mehr Angebote für Kolleg:innen schön – die haben allerdings auch immer so viel zu tun.“ Das mag sein. Aber träumen wird man wohl noch dürfen!
Mehr über die Schulbibliothek des BG/BRG Keimgasse erfahren Sie in unserem Podcast „BIBLIOTHEK BACKSTAGE. Stimmen aus dem Büchereialltag“. Hören Sie rein: https://buechereiservice.at/blog/podcast
Foto: Renate Weimann