Seilern, John - Das Gelöbnis
Intrige um eine Erbschaft.
Den Hintergrund zu diesem Roman bilden die sogenannten Beneš-Dekrete. Diese Dekrete wurden ab 1940 von der tschechoslowakischen Exilregierung in London niedergeschrieben und dann nach dem Zweiten Weltkrieg umgesetzt. So wurden drei Millionen Menschen entrechtet, enteignet und vertrieben.
Dies hat auch die Familien zweier junger Frauen betroffen, die im Exil leben. Als die beiden Freundinnen gleichzeitig schwanger werden. kommt es zu einem bemerkenswerten Gelöbnis. Sie versprechen einander gegenseitig, dass, wenn eine von ihnen beiden stirbt, die andere sich um deren Kind kümmert. Aber es geht alles gut, Giulia bekommt einen Sohn, Ludwig und Daniela bekommen ein Mädchen, Valerie. Es kommt, wie es kommen muss – 22 Jahre später verliebt sich Valerie heftig in Ludwig. Das wäre jetzt der Anfang einer märchenhaften Liebesgeschichte, aber es kommt anders.
Die Beneš-Dekrete werden aufgehoben und plötzlich besteht die Möglichkeit, dass das böhmische Schloss der Familie an Daniela und ihre Tochter rückerstattet werden kann. Ludwig macht sich uneigennützig erbötig, zu helfen. Doch es geht um viel Geld, um Immobilien und eine Gemäldesammlung. Die verliebte und naive Valerie vertraut Ludwig blind – ein großer Fehler. Er spielt falsch und will heimlich Vermögenswerte, die ihr gehören, an sich bringen. Langsam nimmt die Geschichte Fahrt auf. Wird die Erbin die Intrige durchschauen oder wird der hinterlistige und falsche Freund seine Machenschaften zu Ende bringen können?
John Seilern verlangt dem Leser viel Geduld ab. Die vielen tschechischen Namen und die vielen Nebenschauplätze sind nur mit großer Konzentration zu lesen. Aber es ist für viele Leser sicherlich interessant, auch Einiges über den historischen Hintergrund und seine Auswirkungen auf die damals betroffenen Menschen und ihre Nachkommen zu erfahren.
Renate Schediwy-Oppolzer
Seilern, John - Das Gelöbnis
Roman. Wien: Verlag Der Apfel 2026. 335 S. - fest geb. : € 29,80 (DR) ISBN 978-3-85450-255-5