Szivatz, Angela - Tödliches Gspusi
Mord zwischen Tratsch und Torte.
Die 63-jährige Kriminalchefinspektorin Hilda Mooslechner ist mit ihrem Beruf verheiratet. Doch tägliche Kopfschmerzen, Nackenverspannungen und ein Bandscheibenvorfall bringen ihre „Bilderbuchlaufbahn“ in Gefahr. Sie steht vor der Entscheidung: in Frühpension zu gehen oder auf Kur zu fahren. So landet Hilda in St. Gilgen am Wolfgangsee; eine Idylle, die sie als „kleinen Himmel auf Erden“ wahrnimmt, wozu auch die feine Gemeinschaft mit der Lektorin Elli, der Lehrerin Bettina und der Versicherungsangestellten Monika beiträgt, hat Hilda doch „noch nie so viel Zusammenhalt und Freude unter Frauen erlebt“.
Als dann der 45-jährige IT-Fachmann und Einzelunternehmer Harald Britz tot in seinem Zimmer im Kurhotel aufgefunden wird, trübt sich das harmonische Miteinander der vier Frauen, die Hilda liebevoll „dieses wunderbare Kurkleeblatt“ nennt, etwas ein. Denn von Neugier getrieben findet sie heraus, dass Britz „ein richtig übergriffiger Typ“ gewesen und auf Facebook über seine Eroberungen hergezogen ist, „als wären die Frauen Müll“. Plötzlich stehen nicht mehr bloß die Mitglieder eines Motorrad-Clubs, dem Britz angehört hat, und die mit ihm in einen Erbschaftsstreit verstrickte Schwester in Verdacht, sondern auch Frauen, die ihn, der Kontakt zu rassistischen, gewaltbereiten Gruppen in den USA gehabt hat, als „Don Juan der übelsten Sorte“ kennengelernt haben.
Zudem werden längst verdrängte Erinnerungen in Hilda wach, die selbst einmal auf einen „Scharlatan“ hereingefallen ist. Doch sieht es aus, als könnte sie wieder Vertrauen zu einem Mann entwickeln: dem Gerichtsmediziner Ferdinand Sargnagel, der Salzburger Nockerl beinah so gut zuzubereiten versteht wie der Zauner in Bad Ischl. Und von Süßspeisen zeigt sich Hilda Mooslechner alles andere als abgeneigt, wie man der lebendigen, mit spannenden Informationen zur Polizeiarbeit (von „toxikologischen Analysen“, über das Aussehen einer Tatbeschau, bis hin zum „System der Kripo“ und der Bestimmung des exakten Todeszeitpunkts) angereicherten Handlung, die flüssig erzählt und in einem erfrischenden, mit schönen Austriazismen gespickten Ton gehalten ist, entnehmen kann.
Angela Szivatz legt ihre Geschichte so an, dass sie unterhaltsam zu lesen ist, neben wohlwollenden Befunden zu Örtlichkeiten und Landschaft aber auch klare Aussagen bietet; etwa zur Diskriminierung von Frauen in Partnerschaft und Beruf, sind doch sie es, „die starke Abstriche machen“ und von Altersarmut betroffen sind. Genauso liefern die 23 Kapitel Analytisches; z.B. zur katholischen Kirche, die sich als „erzkonservativer, frauenverachtender Heuchelbetrieb“ entpuppt, zum Wetter, das sich im Salzkammergut gern als „Überraschungspaket“ präsentiert oder zum Thema „Rituale“, wo man erfährt, dass gute Freundschaften über „innere Leere“ hinwegzutrösten vermögen.
Über innere Leere hinwegzutrösten vermag auch dieser engagierte Roman, der als erster Fall der Reihe „Kriminalinspektorin Hilda Mooslechner ermittelt“ firmiert und dessen „humorvoller, schwärmerischer, aber auch kritischer und aufklärerischer“ Stil beeindruckt.
Andreas Tiefenbacher
Szivatz, Angela - Tödliches Gspusi
Mord zwischen Tratsch und Torte. Meßkirch: Gmeiner 2025. 254 S. - kt. : € 14,95 (DR) ISBN 978-3-8392-0827-4