Vea Kaiser

Vea Kaiser

Drei Doppelfragen an die Autorin.

1. Wie sind Sie zum Lesen von Büchern gekommen und welche Bedeutung haben Bücher in Ihrem Leben?

Bevor ich selbst lesen konnte, war ich eine begeisterte Zuhörerin. Nicht selten schlief derjenige Elternteil, der mich ins Bett bringen sollte, beim Vorlesen ein, woraufhin ich dann zurück ins Wohnzimmer stapfte und den anderen Elternteil bat weiterzulesen. Man kann ja nicht mitten in der Geschichte aufhören! Dass mein Zugang zu Büchern abhängig war von der elterlichen Abendfitness, hat mich sehr motiviert, so schnell wie möglich selbst lesen zu lernen.

2. Wie sind Sie Autorin geworden und haben Sie in besonderes Vorbild?

Autorin wird man leicht. Hat man einen Text fertig geschrieben, ist man Autorin. Doch um Schriftstellerin zu werden, d.h. vom Schreiben leben zu können, braucht es in der Regel sehr viel Durchhaltevermögen, Sitzfleisch und ein wenig Glück, dass das, was man schreibt, dem entspricht, was zurzeit gerne gelesen wird. Talent ist eine Grundvoraussetzung, die Fähigkeit zu scheitern, eine andere. Man schreibt in der Regel viele schlechte Seiten, bis man eine gute erschafft. Dazwischen wird man immer wieder mit den eigenen Unzulänglichkeiten konfrontiert. Das muss man aushalten können. Ich kann sehr stur sein: Das war wahrscheinlich die beste Voraussetzung, um Schriftstellerin zu werden. 

3. Welche Bücher sind für Sie persönlich besonders wichtig und welche Bücher würden Sie unbedingt zur Lektüre empfehlen?

Vicki Baums großartige Romane „Menschen im Hotel“ oder „Vor Rehen wird gewarnt“. Die haben mir schon als junge Autorin so viel bedeutet, weil Vicki Baum, eine Autorin der 1920er, zeigt, dass österreichische Literatur nicht nur sprachexperimentell und kompliziert sein muss, sondern auch leidenschaftlich erzählen und mit Niveau unterhaltend. Das war für mich ein Erweckungserlebnis. „Hundert Jahre Einsamkeit“ lehrte mich, dass Literatur Magie entwickeln kann und Leser:innen verzaubert. Dann liebe ich ja die früheren Bücher von John Irving sehr, „Witwe für ein Jahr“ hat mir fast alles über das Schreiben beigebracht, was ich weiß. Auf diesem Buch steht zwar Roman drauf, aber in Wahrheit ist es ein großartiges Stück Literatur über Literatur. Empfehlenswert für alle, die eine gute Geschichte haben wollen, die gleichzeitig auch ein Schreibratgeber ist. Aber ich bin mit konkreten Empfehlungen ja immer vorsichtig: Ich glaube, dass es für alle Menschen die richtigen Bücher gibt, die ihr Leben zum Besseren verändern können. Man muss sich halt nur die Arbeit machen, diese zu finden. Und dafür sind ja Bibliotheken tolle Orte: Weil man lange schmökern kann, um herauszufinden: Gefällt mir das? Zieht mich das in seinen Bann?

Foto: (c) Ingo Pertramer