Zaher, Yasmin - Schmutz

Zaher, Yasmin - Schmutz

Eine junge Frau aus Palästina in New York.

„Ich aß ein bisschen von meinem Haferbrei, dann sagte ich zu Sasha: In meinem Körper ist etwas. Was denn?, fragte er mich, und ich sagte, mein Körper sei schmutzig, meine Haut blättere stark ab, und es gebe eine Stelle zwischen meinen Schulterblättern, die ich nicht säubern könne.“ Eine junge Frau emigriert aus Palästina („Ich komme aus einem Land, das ein Friedhof ist“) nach New York, wo sie an einer Highschool Literatur unterrichtet.

Nach und nach erfährt die Leserschaft, dass sie wohl eine reiche Erbin ist. Eine echte „Birkin“, die Lederhandtasche ihrer Mutter, ist ihr größter Schatz, der zwar in der Schule gar nicht als solcher erkannt wird, aber unter den New Yorker Modekennern süßes Seufzen auslöst. Wenn der Ich-Erzählerin der Trubel und Dreck der Stadt zu viel wird, vollzieht sie in ihrem Appartement strenge Reinigungs- und Pflegerituale. Sie will „sauber“ bleiben, auch bei ihren Männerbekanntschaften hält sie es so. Es taucht ein gewisser Typ namens „Trenchcoat“ auf, der trotz ihrer Eigenheiten bleibt und als Modekenner auch mit ihr über Weihnachten nach Paris fliegt. Bestimmte Modeartikel sind ein gutes Geschäft und eine beliebte Währung in bestimmten Ländern, in denen „Trenchcoat“ seine Kontakte pflegt. Ihre Tätigkeit als Lehrerin macht ihr „Freude“, wenn sich auch die Lebensrealität ihrer Schüler stark von der ihren unterscheidet.

Als ihre Geldbörse in der Schule verschwindet, engt sich ihr Blick ein, wird der Rückzug in ihr Appartement und ihre Prozeduren zum überlebenswichtigen Halt. Sie bricht den Kontakt zu den Männern ab und versucht die fehlende Natur ihrer Heimat in ihrem Appartement nachzugestalten, indem sie zahlreiche Pflanzen kauft und dabei setzen auch wirre Erinnerungen an ihre traumatische Kindheit ein. Doch bevor Erinnerungen und Träume überhandnehmen, holt sie ihr New Yorker Alltag wieder in die Realität zurück.

Ein wenig erinnert Zahlers Debütroman an die Romane von Han Kang, wenn Traumata die Grenzen zwischen Innen und Außen sprengen und die Integrität ihrer Figuren gefährden. Die palästinensische Autorin Yasmin Zaher siedelt dies in New York der Gegenwart an, wo sie anhand ihrer Ich-Erzählerin komplexe Lebenswirklichkeiten unserer Zeit aufzeigt.
Julie August

Zaher, Yasmin - Schmutz
Roman. München: Blessing 2025. 272 S. - fest geb. : € 25,95 (DR) ISBN 978-3-89667-777-8 Aus dem Amerik. von Nikolaus Stingl

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